Leseprobe - Am Basel Tattoo abseits der Arena - BERVERBET

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Leseprobe - Am Basel Tattoo abseits der Arena

Verlag
Prolog
Lieber Leser, vielen Dank, dass Sie sich dieses Buch gekauft haben.
Natürlich würde ich gerne von Ihnen wissen, warum Sie sich zum Kauf dieses Buches entschieden haben, zu welcher Kategorie von Personen gehören Sie wohl? Lassen Sie mich überlegen… Jetzt habe ich es, Sie sind auch ein freiwilliger Helfer oder eine Helferin am Basel Tattoo und wollen erfahren, was denn sonst noch so um Sie herum am Basel Tattoo passiert? In dem Fall dürfte ich Dich duzen, denn das ist ja das Schöne in dieser grossen Basel Tattoo-Familie, von Anfang an gilt das „Du“. Sicher, hie und da gibt es den einen oder anderen, der das noch immer nicht verstanden hat, aber das wird sicher noch werden.
An dieser Stelle möchte ich mich auch gleich bei den Gästen des Basel Tattoos entschuldigen, die ich eventuell einfach so geduzt habe. Es ist in dieser Zeit so bei mir drin und ist sicher nicht respektlos gemeint.
Apropos Gäste, nun bin ich schon bei der nächsten Kategorie, der Sie angehören könnten (wobei Sie bemerken, dass ich wieder zum „Sie“ zurückgekehrt bin). Sie haben das Basel Tattoo mindestens einmal besucht und sind daran interessiert zu erfahren, wie dieses enorme Unterfangen überhaupt Jahr für Jahr wieder erneut zum Leben erweckt wird.
Oder gehören Sie zu denen, denen es noch nicht vergönnt war, das Basel Tattoo zu geniessen? Und Sie haben sich dennoch dieses Buch gekauft? Das finde ich schön. Vielleicht sehen wir uns ja doch einmal bei einer der Vorstellungen oder in der Tattoo Street.
Nun denn, egal zu welcher der drei Kategorien von Lesern Sie gehören. Ich hoffe, Ihre Erwartungen an dieses Buch werden erfüllt, Sie geniessen den kleinen Einblick hinter die Kulissen und vielleicht werden einige Dinge, die Sie schon immer über das Basel Tattoo wissen wollten, in diesem Buch geklärt.
Folgen Sie mir in eine andere Welt, eine kleine eigene Welt in Basel, die einmal im Jahr für uns bis zu zwei Wochen besteht, in die wir als Helfer abtauchen und die wir geniessen. Begleiten Sie mich bei einem Rundgang durch diese Welt auf Zeit, in der wir dazu geneigt sind, die echte, die andere Welt um uns herum zu vergessen, weil wir uns so wohl fühlen, und in der wir wirklich gebraucht werden.

Inhalt
Wie ich zum Basel Tattoo gekommen bin…19
Bist Du dafür bezahlt worden, dieses Buch zu schreiben?...24
Muss ich das Buch von vorne nach hinten lesen?...26
Was passiert bei der Kaserne, wenn das Basel Tattoo nicht da ist?...27
Wie kommt die Arena in die Kaserne?...40
Wie entsteht die Tattoo Street?...45
Was verdient ein Basel Tattoo-Helfer?...47
Haben Helfer besondere Privilegien?...50
Wie viele Helfer sind jedes Jahr im Einsatz?...51
Wer kann freiwilliger Helfer sein?...53
Kann man Helfer sein, wenn man ein Handikap hat?...55
Wo übernachten die Helfer?...57
Welche Arbeiten werden von den Helfern ausgeführt?...59
Gibt es ein Helferteam, in dem man viele verschiedene Arbeiten ausüben kann?...61
Arbeiten Helfer beim Aufbau?...62
Arbeiten Helfer im Büro?...64
Arbeiten Helfer bei der Info?...66
Arbeiten Helfer in der Logistik?...68
Arbeiten Helfer auch in der Tattoo Street?...70
Arbeiten Helfer während der Show in der Arena?...72
Arbeiten Helfer im Fuhrpark?...74
Arbeiten Helfer in der Verpflegung?...75
Arbeiten Helfer bei der VIP-Betreuung?...78
Arbeiten Helfer auch beim Kindertag?...79
Arbeiten Helfer in der Gästebetreuung?...82
Arbeiten Helfer im Verkauf?...84
Arbeiten Helfer auch für die Medien?...86
Arbeiten Helfer in der Sicherheit?...88
Arbeiten Helfer als Sanitäter?...91
Entzünden Helfer das Feuerwerk während der Show?...92
Sind Helfer auch an der Basel Tattoo-Parade beteiligt?...93
Gibt es auch Arbeiten für Helfer, die nicht jedes Jahr vorkommen?...96
Ist die Ticketkontrolle bei so vielen Gästen nicht anstrengend?...98
Helfen Helfer mir dabei, meinen Platz zu finden?...102
Welches Helferteam ist morgens als Erstes im Einsatz?...105
Welches Helferteam muss bis spät in die Nacht arbeiten?...109
Gibt es eine Vorstellung, bei der die Helfer nicht arbeiten müssen?...111
Welches Helferteam war Dein erstes Team?...113
Verstehen sich alle Helfer untereinander so gut, wie es immer behauptet wird?...115
Ist schon mal ein Helfer rausgeschmissen worden?...121
Gibt es etwas Besonderes für Helfer, wenn es sehr heiss ist?...123
Wo essen die Helfer und Mitwirkenden?...125
Werden die Helfer von den Bands respektiert?...127
Waren Helfer schon mal auf sich alleine gestellt?...130
Gab es bei den Helfern Unfälle?...132
Lernt man als Helfer die Musiker kennen?...134
Würdest Du auch helfen, wenn es Lohn für die Arbeit gäbe?...137
Was hat es mit dem Shirt-Tausch auf sich?...138
Was bedeutet „Tattoo“?...140
Was hat der Badge-Container für eine Bedeutung?...142
Was sind die Sky-Boxen?...145
Was ist die Cast-Bar?...150
Wer hat die lustigsten Fotos vom Basel Tattoo?...154
Was ist bei der Schirmherrschaft falsch gelaufen?...156
Gab es schon falsche Werbung für das Basel Tattoo?...157
Wie kommen die Nummern auf die Sitzplätze der Arena?...159
Wie kam das Zelt an die Turnhallenwand?...161
Warum gab es in der Lounge zu wenig Champagnergläser?...163
Findet das Basel Tattoo bei Regen statt?...166
Warum hofft immer einer auf Regen?...169
Was ist, wenn die Sonne brennt?...171
Wo proben die Formationen, wenn die Arena noch nicht fertig ist?...174
Warum hat sich ein Musiker mächtig erschrocken, als er nach Basel kam?...175
Ist schon ein Besucher während der Show gegangen?...177
Werden Tickets zurückgegeben?...179
Was passiert mit dem ganzen Müll?...183
Sind die Musiker mit Mikrophonen ausgestattet?...185
Was machen die Formationen, wenn keine Show ist?...186
Womit wurde eine Formation bestraft?...188
Ist bei den Formationen schon mal etwas Wichtiges verloren gegangen?...189
Warum müssen Haustiere in die Tonne?...192
Wer hat die Übersichtstafel beschmiert?...194
Warum hatte ein Basel Tattoo-Angestellter ein Problem mit seinem Fahrrad?...196
Warum fällt schon mal der Strom in der Tattoo Street aus?...199
Warum schmeckt das Wasser nach der Parade immer nach Bier?...201
Was ist, wenn das Wasser ständig nach Bier schmeckt?...203
Gab es schon echte Unannehmlichkeiten?...204
Gibt es etwas, was Dich besonders berührt hat?...206
Hat sich das Basel Tattoo mit der Zeit verbessert?...209
Stimmt es, dass das Basel Tattoo nach Zürich verlegt werden sollte?...213
Sind beim Basel Tattoo auch Beziehungen entstanden?...215
Wie kam die Tote in die Arena?...216

Wie ich zum Basel Tattoo gekommen bin
An dieser Stelle darf ich mich selbst kurz vorstellen. Meinen Autorennamen kennen Sie ja bereits vom Buchtitel, ich heisse Petra Harr. Ich wurde 1963 in Hamburg geboren und bin dort auch aufgewachsen. 1991 bin ich in die Schweiz übergesiedelt. Zuerst habe ich in Baselland gelebt, dann seit 2008 direkt in Basel. Ich habe hier inzwischen meine eigene Firma gegründet, meinen Lebensmittelpunkt gefunden und fühle mich in Basel ausgesprochen wohl.
Seit 2008 bin ich freiwillige Helferin beim Basel Tattoo, übrigens nicht die einzige Institution, bei der ich freiwillig engagiert bin. Aber ich weiche vom Thema ab.
Lassen Sie mich erzählen, wie ich überhaupt zum Basel Tattoo gekommen bin. Bevor ich mit dem Basel Tattoo zu tun hatte, hatte ich keine Ahnung davon, was das überhaupt ist. Natürlich hatte ich die Plakate, zu damaliger Zeit noch längst nicht so gross und in so grosser Anzahl wie heute, bemerkt. Allerdings habe ich mich gefragt, was denn ein Schotte mit einem Dudelsack mit der Körperkunst „Tattoo“ zu tun haben soll? Was hat Basel mit Tätowierern zu tun? Nicht, dass es in Basel keine Tätowierer gäbe, ich habe nur die Reklame dafür nicht verstanden.
Ich gebe zu, zu seiner Zeit habe ich nicht weiter darüber nachgedacht – Tattoos waren für mich nicht von Interesse.
Erst ein paar Jahre später sollte ich aufgeklärt werden. Mein Sohn erzählte mir, dass er gerne beim Basel Tattoo teilnehmen wolle, ein Freund habe ihn gefragt, ob er nicht Zeit habe, bei dieser Veranstaltung zu helfen. Natürlich war ich erstaunt, dass zum Tätowieren Helfer benötigt werden. Eine kurze Erklärung durch meinen Sohn klärte mein Missverständnis rasch auf.
Heute weiss ich, dass ich mit dem Gedanken an Tattoos und Tätowierer nicht alleine dastand und dastehe. Wenn ich heute jemandem erzähle, dass ich am Basel Tattoo helfe, so kommt es immer wieder vor, dass ich erstaunt gefragt werde, was ich denn mit Tattoos zu tun hätte.
Klarstellen möchte ich an dieser Stelle, dass ich natürlich nichts gegen die Körperkunst habe und sie vereinzelt auch ganz schön finde. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, meinen Körper dafür herzugeben.
Aber ich schweife schon wieder vom Thema ab. Also wieder zurück zu dem Zeitpunkt, an dem mein Sohn mich über das Basel Tattoo aufklärte. „Nein, Mami, das hat nichts mit Tattoos zu tun, das sind Militärbands, die Musik machen, vorwiegend mit dem Dudelsack“, erklärte er mir. „Du und Schottenmusik?“, fragte ich ihn ungläubig. „Ja, das wird sicher cool, wir helfen dann dort hinter den Kulissen. Ich weiss noch nicht genau, was ich mache, aber man kann da aufpassen, dass keine Unbefugten das Gelände betreten, oder beim Aufbauen oder sonst wo helfen.“
„Na ja, wenn Du meinst, da wünsche ich Dir viel Spass dabei“, wollte ich das Gespräch beenden. „Da gibt es aber ein Problem“, hielt mein Sohn mich auf. „Da gibt es vorher ein Helfermeeting und an dem muss jeder Helfer teilnehmen, das ist aber genau in der Zeit, in der ich mit meiner Klasse die Abschlussreise mache.“
Ich dachte kurz nach und erwiderte: „Kann ich nicht an dem Meeting an Deiner Stelle teilnehmen und Dir dann alles berichten? So schwierig wird das wohl nicht sein.“ „Mami, das wäre toll, wenn das ginge. Kannst Du mal nachfragen, ob das möglich ist?“, bat er und gab mir einen Zettel mit einer E-Mail-Adresse, die der Assistentin des Produzenten.
Natürlich war es möglich, dass ich für meinen Sohn das Meeting besuchen durfte. Zwar war die Assistentin über mein Anliegen erstaunt, das war ihr bisher noch nicht untergekommen, aber sie fand es gut.
Also traf ich zu dem Meeting im Kongresszentrum in Basel ein. Beeindruckt von der grossen Anzahl der Teilnehmer, musste ich meine Vorstellungen vom Basel Tattoo erneut korrigieren. Weg von einer kleinen Veranstaltung hin zu einem Mega-Event.
Ich lauschte also gespannt den Ausführungen der Organisatoren. Ich spürte, wie in mir mehr und mehr die Begeisterung für das Basel Tattoo wuchs. Das war ja alles super organisiert, da macht es sicher Spass zu helfen. Allerdings war für mich der Zug wohl schon abgefahren, für mich war es sehr wahrscheinlich zu spät, mich nun noch dafür zu melden – so dachte ich jedenfalls zu diesem Zeitpunkt.
Dennoch hatte ich einen Lichtblick, es wurden noch Helfer für die Parade gesucht, das war zumindest ein Anfang, also liess ich es mir nicht nehmen, mich dafür anzumelden.
Am Tag nach dem Meeting entschloss ich mich, zumindest mal nachzufragen, ob ich nicht doch noch ein Helfer werden könnte. Ich schrieb der Assistentin also erneut eine E-Mail, in der ich meine Begeisterung beschrieb. Und ich wurde erhört: klar durfte ich noch helfen. An diesem Tag wurde ich ein Teil von einem grossen Ganzen.
Nun bin ich schon mehrere Jahre dabei, genauso wie auch mein Sohn, in denen ich viele nette Leute kennenlernen durfte und in denen Freundschaften entstanden sind, die schon ebenso lange anhalten.
Lieber Leser, alles was ich in diesem Buch beschreibe, ist wahrscheinlich so oder so ähnlich passiert, auch wenn es teilweise fast nicht zu glauben ist.
Kurz möchte ich noch erwähnen, dass ich in diesem Buch häufig meine Meinung äussere. Bitte beachten Sie hierbei, dass es sich ganz allein um meine eigene Meinung handelt und in keiner Weise die Meinung der Produktion oder sonstiger Mitwirkenden des Basel Tattoos widerspiegelt.
Ich habe auch meist darauf verzichtet, in diesem Buch Namen zu nennen, auch wenn ich bei den meisten Ereignissen genau weiss, wen es betrifft. Ich wollte keine Namen für die Geschichten erfinden, die mir nicht aus erster Hand zugetragen wurden. Sollte sich jemand in diesem Buch wiedererkennen: herzlichen Glückwunsch! Aber bist Du Dir auch ganz sicher, dass Dir dieser Schuh auch wirklich passt?
Ich werde im Weiteren meist nur von dem Helfer reden, ich habe bewusst auf Formulierungen wie der/die Helfer/in verzichtet, wenn es beide Geschlechter angeht, da durch solche Formulierungen der Lesefluss negativ beeinflusst wird. Mich selbst als Frau stört es nicht, wenn man/frau mich als Helfer bezeichnet. Also, denke ich, kann ich mir diese Formulierung erlauben. Dadurch sollte sich also niemand diskriminiert fühlen.
Nun denn, lassen Sie mich beginnen, lieber Leser, ich gehe davon aus, dass Sie ein Gast des Basel Tattoos sind, waren oder einmal sein werden, das schliesst auch die Helfer ein, diese dürfen ja ebenfalls eine der Vorstellungen mit drei Gästen besuchen.

Bist Du dafür bezahlt worden, dieses Buch zu schreiben?
Nein, das bin ich nicht.
Ich habe mich aus freien Stücken dafür entschieden, dieses Buch zu schreiben, darauf hatte niemand der Basel Tattoo-Produktion direkten Einfluss.
Ich habe das Buch geschrieben, weil ich das Basel Tattoo für eine tolle Veranstaltung halte und ich ein Teil davon bin. Ja, ich bin sogar stolz darauf, dass ich das bin. Jedes Jahr aufs Neue ziehe ich mit Stolz das Basel Tattoo-Shirt an und gehe damit erhobenen Hauptes durch Basel zur Kaserne. Dabei zu sein ist für mich ein sehr schönes Gefühl.
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich hoffe, Ihnen lieber Leser ein wenig von diesem Gefühl zu vermitteln und Sie vielleicht ein kleines bisschen dafür zu begeistern, wenn Sie es nicht sowieso schon sein sollten.
Immer wieder ist es mir in der Vergangenheit passiert, dass ich über das Basel Tattoo und meine Erlebnisse dabei mit voller Begeisterung erzählt habe, und häufig wurde mir dann gesagt, dass das sicher ein gutes Buch ergebe, wenn ich das alles einmal aufschriebe.
Da dieses Buch ja auch nicht mein erstes Buch ist, habe ich diese Idee dann im Hinterkopf behalten, so lange, bis ich mich nun zur Umsetzung entschlossen habe, schliesslich hatte man mich oft genug zu diesem Buch ermutigt.
Im Gegensatz dazu wurde mir allerdings auch von der Veröffentlichung abgeraten, nachdem das Buch langsam Wirklichkeit wurde, da sich doch eh kein Mensch dafür interessieren würde.
Da Sie, geschätzter Leser, jetzt aber mein Buch lesen, gibt es zumindest einen Menschen, der sich doch dafür interessiert. Also hat sich mein Aufwand schon mal ausgezahlt.
Es wird heute über so vieles geschrieben, also warum nicht auch über das Basel Tattoo. Zumal ich es für eine tolle Sache halte und gerne darüber berichte.
Dieses Buch ist mein Beitrag zur zehnten Ausgabe des Basel Tattoos und ich hoffe, dass ich Sie, lieber Leser, damit ein wenig unterhalten kann.

Muss ich das Buch von vorne nach hinten lesen?
Nein, Sie können das Buch auch von hinten nach vorne lesen. Sie können auch versuchen, das Buch rückwärts zu lesen oder auf dem Kopf, das macht aber nur wenig Sinn.
Nein, im Ernst, Sie können das Buch so lesen, wie Sie es möchten. Jedes Kapitel ist eines für sich, keines baut auf ein vorangegangenes auf. Allerdings kann es daher schon mal vorkommen, dass sich etwas wiederholt, das sollte sich aber in Grenzen halten.
Lesen Sie einfach das Kapitel zu der Frage, die Sie gerade im Moment interessiert, und überspringen Sie die, die für Sie nicht von Bedeutung sind. Natürlich hoffe ich, dass Sie alle Kapitel lesen und Gefallen daran finden.

Was passiert bei der Kaserne, wenn das Basel Tattoo nicht da ist?
Sie sind nicht aus Basel und kennen die Kaserne nur mit dem Basel Tattoo. Kein Problem, wir treffen uns vor dem Bahnhof Basel SBB. Ich hole Sie dort ab, auf dem Centralbahnplatz, dort, wo die vielen Trams abfahren.
Guten Morgen! Da sind Sie ja schon. Willkommen in Basel! Machen wir uns gleich auf den Weg zur Kaserne. Die Kaserne liegt in Kleinbasel. Von hier aus gesehen auf der anderen Rheinseite. Wir befinden uns hier in Grossbasel.
Es ist so schönes Wetter, wollen wir zu Fuss gehen, dann können wir auch gleich einen kleinen Stadtbummel durch die Altstadt Basels machen? Basel hat vieles zu bieten und wenn man sich ein wenig auskennt, gibt es Interessantes zu entdecken.
Nein, Sie haben keine Lust zu Fuss zu gehen, Sie wollen gleich zur Kaserne? Gut, meinetwegen. Dort drüben fährt unser Tram ab. Passen Sie auf, hier kreuzen Trams, Busse, Fahrräder, Taxen und natürlich viele Passanten unseren Weg. Es wundert mich schon, dass hier alle immer aneinander vorbeikommen, ohne dass sie zusammenstossen.
Das bunte Treiben wird hier täglich von den Strassenmusikern begleitet, wollen wir ihnen ein wenig lauschen? Nein, auch das wollen Sie nicht? Ja, ich habe schon verstanden, Sie wollen zur Kaserne.
Da kommt auch schon unser Tram, die Linie 8 Richtung Kleinhüningen oder Weil. Setzen Sie sich doch, die Fahrt dauert rund zehn Minuten, nehmen Sie gerne den Fensterplatz, auch vom Tram aus kann man die Basler Bauten geniessen. Ich soll Ihnen ein wenig über Basel erzählen, ja, das mache ich gerne, es wird sicher nicht langweilig.
Zuerst kommen wir über den Aeschenplatz, einer der Plätze, vor denen ich, sollte ich mal mit dem Auto in Basel unterwegs sein müssen, den meisten Respekt habe. Hier gilt rechts vor links, die Trams, und von denen fahren hier viele, haben immer Vorrang und viele Fussgänger kreuzen Schienen und Fahrbahn.
Ursprünglich sollte hier einmal der Centralbahnhof entstehen, darum wurde hier die gesamte Altstadt abgerissen. Aber aus dem Projekt ist dann nichts geworden.
Dort hinten rechts steht die übergrosse Statue, der unermüdliche „Hammering Man“ von Jonathan Borofsky, der tagaus, tagein seinen Hammer wieder und wieder auf ein Werkstück schlägt. Seit 1989 steht er schon dort. Sie meinen, in Frankfurt stehe auch so einer und der sei viel grösser. Ja, das stimmt, die Figur in Frankfurt ist die grösste dieser Figuren des Künstlers. Sie ist mit ihren 21,5 Metern 8 Meter höher als unsere. Auch ist sie viel schwerer, dieser gute Mann hier wiegt gerade mal acht Tonnen, der in Frankfurt bringt das 4-Fache auf die Waage.
Leider ist hier am Aeschenplatz auch das bisher schwerste Tramunglück von Basel passiert. Am 24. April 1947 raste ein Zug ungebremst auf den Aeschenplatz, was zu mehreren Tramkollisionen führte. Bei dem Unfall verloren fünf Menschen ihr Leben und 55 wurden teilweise schwer verletzt, andere Quellen berichten von sechs Toten und 47 Verletzten. Das finden Sie furchtbar? Ja, mir geht es ebenso. Die Ursache wurde übrigens nie wirklich geklärt, offenbar kamen mehrere technische Unzulänglichkeiten zusammen. Auf jeden Fall wurde der Tramfahrer von aller Schuld freigesprochen.
Jetzt sind wir auch schon am Bankverein, diese Haltestelle hiess vor über 100 Jahren auch mal Handelsbank und dann auch Bankenplatz.
Wenn Sie jetzt hier, sobald wir die Haltestelle verlassen, rechts die Strasse Richtung Kunstmuseum hochsehen, können Sie das neue, höchste Gebäude Basels sehen, den Roche-Turm, dieser löst den Messeturm im Kampf um die höchste Höhe ab.
Er ist zwar noch immer nicht ganz fertiggestellt, hat aber seine 178 Meter Höhe bereits erreicht. Es wird bis zu seiner Fertigstellung nicht mehr lange dauern, diese ist für diesen Sommer geplant. Sie meinen, von da oben habe man sicher einen schönen Ausblick? Ja, das denke ich auch. Ein Büro in der 41. Etage würde sicher Spass machen.
Schauen Sie dort, rechts ist der Musiksaal des Stadtcasinos. Dort gab es auch schon Konzerte im Rahmen des Basel Tattoos. Die haben mir sehr gut gefallen, genauso wie im Kongresszentrum in Basel oder auch in Zürich.
Die Musik einiger der Basel Tattoo-Bands lässt sich auch ohne das Marschieren geniessen. Diese Konzerte sind eine gute Alternative für das Basel Tattoo für den Fall, dass man keine Karten mehr bekommen hat. Für die Konzerte sind meistens noch Karten erhältlich.
Sie wollen nicht in ein solches Konzert, Sie haben schon Karten für das Basel Tattoo? Das ist schön für Sie, ich hoffe Sie geniessen die Show.
Schauen Sie, dort rechts ist der Barfüsserplatz, hier feiert der FC Basel mit seinen Fans seine Siege. Dann geht es hier immer heiss her und hoch hinaus. Sie interessieren sich nicht für Fussball? Alles klar, hätte ich mir fast denken können.
Der Barfüsserplatz, oder auch Barfi oder Seibi genannt, ist häufig schon als Barfüsslerplatz bezeichnet worden, meist von ausländischen Gästen. Das hört sich für die Basler natürlich lustig an. Der Platz hat seinen Namen von dem Bettelorden der Franziskaner, der 1256 hier ein Kloster errichtete. Die Angehörigen dieses Ordens waren immer barfuss unterwegs.
Nun sind wir schon am Marktplatz, wie gefällt Ihnen das Basler Rathaus hier rechts, das rote Gebäude, ist es nicht wunderschön? Es hat erst vor kurzem seinen 500sten Geburtstag gefeiert.
Hallo Sie, ich rede mit Ihnen. Ach, Sie sind mehr daran interessiert, was auf dem Marktplatz passiert. Wie der Name schon sagt, dort findet beinahe täglich der Markt statt, hier bekommen Sie unter anderem immer frisches Gemüse und Obst aus der Region. Ja, ich kann es mir fast denken, Sie essen kein Gemüse, zu gesund.
Schauen Sie nun links, hier sehen wir auf den ehemaligen Fischmarkt Basels, den schönsten gotischen Brunnen der Schweiz. Die Säule mit den Figuren ist übrigens nur eine Kopie, die Originalsäule steht im Historischen Museum. Der Brunnen gefällt Ihnen? Mir auch. Er wird ja auch gut in Schuss gehalten, 2004 wurde er zuletzt restauriert.
Jetzt haben wir auch schon den Rhein erreicht, hier ist die Schifflände, von der aus Sie Ausflugsfahrten auf dem Rhein machen können. Sie ist die älteste Hafenanlage Basels.
Auf einem Teil der Strecke, die wir soeben gefahren sind, fliesst übrigens der Birsig durch Basel in den Rhein. Sie haben nichts von einem Fluss gesehen? Nein, das geht auch nicht, da er zum grössten Teil überdeckt wurde. Früher, als er noch offen durch Basel floss, war er ein übler Seuchenherd. Fäkalien, Schlachtabfälle und Unrat, die in ihm entsorgt wurden, liessen eine stinkende Kloake entstehen, die für die schnelle Verbreitung von Krankheiten wie Cholera und Typhus sorgte und mehrere tausend Menschen dahinraffte.
Auch hat der Birsig häufig für schwere Hochwasser in Basel gesorgt, die viele Menschenleben forderten und auch Häuser zum Einstürzen brachten. Wie hoch das Wasser bei zweien dieser Katastrophen gestiegen war, lässt sich heute an den Wasserstandsmarken des Rathauses ablesen, das ebenfalls davon betroffen war.
Nun fahren wir über die Mittlere Brücke über den Rhein. Übrigens ist diese Brücke die älteste Brücke über den Rhein zwischen Bodensee und Nordsee, die noch existiert. Rechts können wir die beiden Türme des Münsters sehen. Links, ebenfalls noch auf Grossbasler Seite, ist das Hotel „Drei König“, wenn Sie dort während des Basel Tattoos übernachten, können Sie direkt mit der Klingentalfähre, sie heisst „Vogel Gryff“, über den Rhein zur Kaserne fahren. Schauen Sie dort, auf der anderen Rheinseite, gegenüber vom Hotel, das Gebäude mit den beiden Türmen: Das ist die Kaserne.
Nein, die Fähre ist kein Umweltverschmutzer, sie hat nämlich keinen Motor. Sehen Sie dort das Drahtseil, das sogenannte Gierseil, mit dem die Fähre an der Stahltrosse befestigt ist, die über den Rhein gespannt ist. Allein die Kraft des fliessenden Wassers lässt die Fähre über den Fluss gleiten. Das finden Sie interessant? Das geht mir auch so.
Ich fahre gerne mit einer der Fähren über den Rhein, es ist auch gar nicht teuer. Es gibt übrigens vier von diesen Fähren, die St. Johann-Fähre, „Ueli“ genannt, die Münster-Fähre, die sich „Leu“ nennt, und dann noch die St. Alban-Fähre, die „Wild Maa“ heisst.
Ach, Sie haben diese Namen schon gehört, und da gibt es doch einen Feiertag. Ja, das ist richtig, Der „Vogel Gryff“ ist ein Feiertag in Kleinbasel, der jedes Jahr im Januar stattfindet. Der „Vogel Gryff“, der „Leu“ und der „Wild Maa“ sind die Ehrenzeichen der drei Ehrengesellschaften Kleinbasels: zum Rebhaus, zur Hären und zum Greifen. An diesem Feiertag ziehen diese drei Figuren durch Kleinbasel, zusammen mit drei Tamburen, drei Bannerherren und vier Ueli, und führen ihre Tänze auf.
Ob man im Rhein schwimmen kann? Ja, sicher, aber das ist nicht ganz ungefährlich, es gibt starke Strömungen und die Rheinschifffahrt findet ja auch noch statt. Am Rheinufer stehen überall Hinweistafeln, auf denen genau die Zonen eingezeichnet sind, in denen das Schwimmen erlaubt ist. Wenn Sie das einmal versuchen wollen, besorgen Sie sich einen Wickelfisch und nehmen Sie am offiziellen Rheinschwimmen teil. An diesem Tag können Sie unter Anleitung Ihre ersten Schwimmzüge im Rhein wagen. Es ist jedes Jahr wieder aufs Neue ein grosses Ereignis in Basel.
Sie wissen nicht, was ein Wickelfisch ist? Im Sommer können Sie den beinahe in jedem Geschäft kaufen. Das sind wasserfeste Beutel, in denen Sie alles verstauen, was Sie nicht zum Schwimmen brauchen, um es mitnehmen zu können, da Sie mit Sicherheit nicht wieder an der Stelle aus dem Wasser steigen werden, an der Sie in den Rhein gestiegen sind. Mit den Wickelfischen geht es dann ab den Rhein hinunter und Sie haben immer alles dabei. Die Wickelfische dienen auch als Schwimmhilfe. Sie werden das mal ausprobieren? Schön, dass ich Sie dafür begeistern konnte.
Wo wollen Sie hin, aussteigen, hier an der Rheingasse? Nein warten Sie, bleiben Sie im Tram. Auch wenn man die Kaserne schon sehen kann, wir bleiben doch besser noch sitzen und fahren zwei Stationen weiter.
Wenn wir an der Haltestelle Kaserne aussteigen, sind wir direkt an der richtigen Stelle, also ich meine im Fall, dass gerade das Basel Tattoo stattfindet. Denn von dort gelangen wir unvermittelt zu den beiden Eingängen zur Arena.
Ja, ich weiss, zurzeit ist kein Basel Tattoo, aber wir werden dennoch erst an der Kaserne aussteigen. Ich gehe nicht so gerne hier durch die kleinen Strassen Richtung Kaserne. Warum nicht, möchten Sie wissen? Aus dem gleichen Grund, warum ich in Hamburg nicht gerne durch die kleinen Strassen St.-Paulis laufe. Ach, das können Sie gut verstehen? Das ist gut.
Wenn jemand, der in einem Rollstuhl sitzt, zum Basel Tattoo kommt, ist es allerdings für diesen besser, hier auszusteigen, von hier aus kommt man schnurstracks zum Seiteneingang des Basel Tattoo-Geländes, der für Besucher mit einem Handikap vorgesehen ist.
Nun biegt das Tram am Claraplatz links ab. Das ist übrigens die Haltestelle, an der man aussteigen sollte, wenn man vom Badischen Bahnhof oder dem Messeparkhaus zum Basel Tattoo kommt. Die Linie 6 ist dann die Richtige. Wenn Sie jetzt beim Abbiegen rechts Richtung Messegelände schauen, sehen Sie den Messeturm, der trotz seiner Höhe von 105 Metern – nun nachdem wir den Roche-Turm gesehen haben – beinahe klein wirkt. Man kann ihn leider nicht mehr ganz sehen, da das neue Messegebäude, im Volksmund wegen seiner äusseren Struktur „Kääsraffle“ (für die Nichtschweizer: Käsereibe) genannt, den Blick versperrt.
Wenn Sie jetzt links schauen, da ist auch schon die Kaserne. Lassen Sie uns aussteigen. Sie meinen, es ist ganz anders als während des Basel Tattoos? Ja, da gebe ich Ihnen recht, die Kaserne erscheint riesig. Ist sie nicht beeindruckend? Sie wollen wissen, ob hier wirklich mal Soldaten stationiert waren? Ja, aber selbstverständlich.
Die Kaserne wurde zwischen 1860 und 1863 auf dem Gelände des Klingentaler Klosters erbaut und bis 1966 von der Schweizer Armee als Ausbildungseinrichtung für Sanitätsrekruten genutzt. Auch musste sie in dieser Zeit als Quartier für Internierte und Flüchtlinge herhalten. Im Jahre 1959 diente sie als Kulisse für eine Szene für den Film „HD-Läppli“. Der Architekt Johann Jakob Stehlin d.J. hat übrigens auch den Musiksaal des Stadtcasinos gebaut, an dem wir vorhin vorbeigefahren sind.
Dort, auf dem grossen Platz, der direkt vor uns liegt, im Anschluss an die Wiese, hinter den Bäumen, dort mussten die Soldaten exerzieren. Rechts davon befinden sich eine Reithalle und die beiden Rossställe. Links davon sehen Sie die Klingentalkirche aus dem 13. Jahrhundert, mit Teilen des Museums „Kleines Klingental“.
Sie meinen, für ihr Alter sehen die Gebäude doch recht gut erhalten aus. Ja, das stimmt tatsächlich, es wurde aber auch immer wieder saniert und restauriert, um diese schönen Gebäude zu erhalten.
Dabei fällt mir ein, dass die Klingentalkirche bei einem Basel Tattoo wegen Restaurierungsarbeiten völlig eingerüstet war. Das war kein schöner Anblick und hat das Gesamtbild des Basel Tattoo-Geländes doch erheblich gestört.
Aber Erik wäre nicht er selbst, wenn er für dieses Problem nicht eine Lösung gefunden hätte. Er hat einfach ein Foto der Kirche in Originalgrösse, natürlich ohne das Gerüst, auf Tuch aufbringen lassen und dieses dann von aussen an der Einrüstung befestigt. Und was glauben Sie! Es ist doch tatsächlich erst bei genauem Hinsehen aufgefallen, dass man nicht auf die echte Kirche blickte. Sie finden, das war eine gute Idee? Ja, das fand ich auch.
Dort links vor der Kirche befinden sich der Quartiertreffpunkt, ein Kindergarten und ein Boxkeller. Und hier, direkt links von uns, ist die Turnhalle. Rechts von uns befindet sich das Restaurant Parterre und die Kabar. Es ist noch früh am Morgen, darum ist hier noch nicht so viel los. Bei schönem Wetter sind hier viele Leute, sei es auf den Wirtschaftsterrassen, oder hier auf der Wiese, die direkt vor uns liegt.
Sie haben mal über die Wiese im Zusammenhang mit dem Basel Tattoo und Toiletten gelesen? Ja, das ist richtig, diese Wiese hat schon viele Gemüter in Aufregung versetzt. Weil während des Basel Tattoos die Toilettenwagen dort vorne auf der Wiese aufgebaut waren, gab es Theater. Nein, natürlich nicht wegen der Abwässer, die werden selbstverständlich dahin geleitet, wo sie hingehören. Warum denn dann, wollen Sie wissen. Einfach nur darum, weil die Wagen auf der Wiese stehen und die Kinder dann ein paar Quadratmeter Wiese weniger zum Spielen haben.
Darum regt sich jemand auf, wundern Sie sich. Ja, so ist es. Ob das so viel ausmacht, die Wiese ist doch sehr gross. Richtig, das sehe ich auch so, aber lassen Sie uns nicht darüber diskutieren, worüber schon genug diskutiert worden ist. Ich persönlich verstehe einfach nur nicht, dass man sich nur beim Basel Tattoo aufregt. Offenbar wird mit zweierlei Mass gemessen. Denn wenn Messe in Basel ist, ist dieser ganze Platz inklusive der Wiese mit Schaustellergeschäften zugestellt. Da haben die Kinder dann gar keinen Platz mehr zum Spielen.
Sie meinen, das höre sich danach an, als sei das offenbar nur eine rein politische Angelegenheit. Da gebe ich Ihnen recht, so wird es sein. Aber auf jeden Fall stehen die Toilettenwagen nun an einer anderen Stelle, sodass die ganze Wiese den angeblich so zahlreichen Kindern zu 100 Prozent zur Verfügung steht. Lassen wir das Thema, Politik ist nicht mein Ding, ich möchte Ihnen etwas zeigen. Folgen Sie mir in die Turnhalle.
Sie wollen wissen, warum ich Ihnen eine Turnhalle zeigen will, davon haben Sie schliesslich schon genug gesehen. Das kann ich mir gut vorstellen, dass Sie schon einige Turnhallen von innen gesehen haben, aber lassen Sie sich überraschen. Hereinspaziert, ja, ich weiss, diese Turnhalle sieht aus wie jede andere alte Turnhalle, aber schauen Sie mal nach oben, sind die Deckenmalereien nicht beeindruckend? Und, was sagen Sie? Ihnen hat es die Sprache verschlagen, das kann ich verstehen. Eine Augenweide, nicht wahr? Sie stimmen mir zu, ja, das ist ja prima.
Diese Turnhalle wird übrigens zur Dining Hall während des Basel Tattoos. Alle Mitwirkenden und Helfer werden hier verpflegt. Kommen Sie, wir gehen einmal durch die Halle durch und dort rechts durch die Tür. Nun befinden wir uns bei den Umkleideräumen, die wir als Helfer zum Umziehen nutzen können, auch sind hier Toiletten und Duschen. Einer der Umkleideräume wird als eines der Materiallager genutzt. Hier erhalten wir auch unsere Shirts und alles, was zum Sauberhalten der Arena und des Geländes benötigt wird.
Geradeaus können wir das Gebäude wieder verlassen, aber lassen Sie uns vorher einen Blick in den Boxkeller werfen, gehen wir die Treppe hinunter. Hier im Boxkeller, der Heimat des Boxclubs Basel, werden während des Basel Tattoos die Pressekonferenzen abgehalten, und ein Teil der Organisation ist hier auch untergebracht. Kommen Sie, es gibt noch mehr zu sehen. Verlassen wir das Gebäude, hier draussen ist auch gleich der Quartiertreff. Es ist noch nichts los, ist wohl zu früh dafür.
Gehen wir weiter zur Klingentalkirche. Sie interessieren sich nicht für Kirchen? Sie wird auch gar nicht mehr als solche genutzt, hier haben viele Künstler ihre Ateliers. Gut, gehen wir hinüber auf die andere Seite des Kasernenareals. Sie wollen in den Kopfbau der Kaserne? Dieser wird heute von verschiedenen Schulen genutzt. Da gibt es nicht viel zu sehen, das sieht so aus, wie ein Schulgebäude nun einmal von innen aussieht, Gänge und Klassenräume. Wenn das so ist, dann wollen Sie keinen Blick mehr reinwerfen? Gut, gehen wir dort drüben durch das grosse Tor des Seitenflügels.
Sie meinen, hier drin sehe es aus wie in einer Reithalle, mit den hölzernen Banden, nur dass das Sägemehl auf dem Boden fehle. Das liegt daran, dass das eine Reithalle ist. Sie wird nicht mehr als solche genutzt, die Reithalle zusammen mit den beiden Rossställen, die sich gleich anschliessen, werden heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Kommen Sie, wir durchqueren die Reithalle, dort rechts durch die grosse Tür gelangen wir zu den beiden Rossställen.
Alle drei Räumlichkeiten sind grosszügig und lassen sich auf vielfältige Weise nutzen. Während des Basel Tattoos sind hier die Lounges und der Pub untergebracht. Hier finden in einem Jahr so viele, weltweit bekannte, kulturelle Anlässe statt, dass ungefähr 60’000 Besucher gezählt werden können, wobei die Besucher des Basel Tattoos hier noch nicht mitgezählt sind. Zu dieser Veranstaltung werden inzwischen rund 120’000 Gäste erwartet.
Ich konnte Sie mit den Räumlichkeiten beeindrucken, und Sie freuen sich, dass Sie das Basel Tattoo-Gelände auch einmal ohne das Basel Tattoo erkunden durften. Nun haben Sie ein ganz anderes Bild von dem Gelände. Da bin ich aber froh, dass ich Ihnen das ermöglicht habe.
Wollen wir zurück zum Bahnhof SBB? Nein, Sie wollen zum Badischen Bahnhof. Auch das ist von hier aus kein Problem, kommen Sie, wir gehen zum Claraplatz, der liegt dort, wenn wir die Kaserne nach rechts verlassen. Sie können sich von der Hinfahrt her noch an ihn erinnern? Das ist gut.
Es sind nur ein paar Minuten zu Fuss. Nehmen Sie das Tram Nr. 6, das kommt aus Allschwil und fährt Richtung Riehen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, ich bleibe noch ein wenig in der Stadt und geniesse das schöne Wetter in einem der Strassencafés.

Wie kommt die Arena in die Kaserne?
Rund zwei Wochen vor der Basel Tattoo-Premiere beginnt der Aufbau der Arena.
Tische und Bänke, die sonst unter den Bäumen stehen, werden zur Seite geräumt. Das Material für die Arena wird abhängig vom Baufortschritt in das Areal geliefert und in der Mitte des Kasernenplatzes bzw. der späteren Arena abgestellt.
Zuerst wird das Grundgerüst des linken Arenaflügels aufgebaut, dann folgt der rechte und im Anschluss der Bogen der Arena. Die Durchgänge für das Publikum und die Musiker entstehen kurz darauf und verbinden die drei Teile miteinander zur grossen Arena. Gleichzeitig werden auch schon die Container für die Information, den Shop und die Badges gestellt. Auch die WC-Container kommen an ihren Platz.
Es herrscht ein reges Treiben der zivilen Arbeiter und der Soldaten, die diese Arbeiten tatkräftig unterstützen. Es wird gehämmert, geklopft und hie und da auch mal mächtig geflucht, wenn etwas nicht so klappt, wie es eigentlich sollte. Der Lärm kann einem schon mal auf die Nerven gehen, aber der hat ja bald ein Ende.
Na ja, Sie haben natürlich recht, dass der Lärm vorerst kein Ende hier auf dem Areal hat. Wenn es nicht der Baulärm ist, dann ist es der Lärm, den das Basel Tattoo und seine Besucher produzieren. Ich meine, der ist aber besser zu ertragen als Baulärm.
Trotz des zeitlichen Drucks, immerhin muss ja alles bis zur Premiere nicht nur aufgestellt, sondern auch abgenommen werden, bleiben alle ruhig und professionell bei ihrer Arbeit, von Hektik ist nichts zu spüren. Die wäre wohl auch falsch am Platz, denn Sicherheit ist natürlich das oberste Gebot, wie auf jeder Baustelle.
Sobald ein Grossteil des Materials verbaut ist, wird auch schon das nächste angeliefert.
Sind die Grundgerüste fertiggestellt, wurden in der Zwischenzeit 400 Tonnen Stahlrohre verbaut. Das entspricht ungefähr dem Gewicht von zwei ausgewachsenen weiblichen Blauwalen oder 12 beladenen LKW.
Jetzt folgt die Bestuhlung, genau 7934 Sitze, und die Zusatzbauten für die Technik werden angelegt. Nun kann auch das Setzen der Sky-Boxen erfolgen. Diese zehn Container werden mit einem mobilen Kran Stück für Stück auf das eigens für sie errichtete Podest in rund zehn Meter Höhe platziert und befestigt. Sie wollen wissen, wie hoch es ganz genau ist. Also gut, die Besucher müssen genau 10,68 m erklimmen, Erik und der Sprecher René Häfliger sowie die weiteren Produktionsmitglieder haben bei 13,62 m ihr Ziel erreicht.
Inzwischen ist beinahe eine Woche vergangen, nun folgt der Auf- und Einbau der Technik in den Sky-Boxen und dem Hauptgebäude der Kaserne. Rund sechs Kilometer Kabel werden verlegt, Lautsprecher und Scheinwerfer montiert sowie die Lichterwände links und rechts in der Arena. In den vergangenen Jahren standen anstelle der Lichtwände in regelmässigen Abständen Scheinwerfer-Kuppeln. Mir persönlich gefallen die Lichtwände besser, da sie nicht so blenden, wie es die Scheinwerfer ab und zu getan haben.
Die Kulisse beim Kasernentor, durch das bei den Shows die meisten Musiker die Arena betreten werden und auf der der Basel Tattoo-Chor die Shows mit seinem Gesang untermalt, wird errichtet.
Die Sky-Boxen werden eingerichtet, die oberen mit der Technik, die unteren mit der Ausstattung und Bestuhlung für die Gäste. Da wird Teppich verlegt, werden Podeste gebaut und Schränke gestellt. Auch der Arenaboden wird innerhalb von ca. vier Stunden mit Bitumen geschwärzt, da dieser sonst nur schmutzig und grau aussehen würde. Das gibt bei den Shows dann ein viel schöneres Bild. Jetzt darf die Arena einen Tag lang nicht mehr betreten werden.
Damit auch sonst nichts mehr an eine Baustelle erinnert, werden alle Gerüstteile der Arena hinter schwarzen Tüchern versteckt, die an langen Drahtseilen aufgehängt werden und der Arena somit ein einheitliches Aussehen verleihen.
Jetzt ist es an der Zeit, dass alles schwere Material seinen Bestimmungsort erreicht hat. Das Areal, das nicht aus festem Boden besteht, sondern nur aus einem Kiesbett, wird nun mit Plastikbodenplatten ausgelegt. Diese Platten dürfen mit schwerem Gerät nicht mehr befahren werden, da sie dieser Last nicht standhalten würden. Sie sind aber nötig, damit keine unschönen Pfützen entstehen können und das Gehen mit hohen Absätzen ein wenig erleichtert wird.
Bei hohen Absätzen fällt mir gerade ein, dass sich einige Helfer aber auch Besucher häufig darüber wundern, dass es Besucher gibt, die in festlicher Kleidung zum Basel Tattoo kommen. Ich muss zugeben, sich eine Besucherin in langem Kleid und High Heels auf einen der Plätze in der Arena vorzustellen, lässt einen schon schmunzeln, das passt irgendwie nicht zusammen. Aber Sie dürfen nicht vergessen, es gibt ja nicht nur die Arenaplätze. In den Sky-Boxen sieht es da schon ganz anders aus, hier passt festliche Kleidung auf jeden Fall hin.
Ausserdem haben einige Besucher ein ganzes Paket erworben oder sie wurden dazu eingeladen, bei dem zumindest ein Aperitif dabei ist, wenn nicht sogar ein mehrgängiges Menü. Bei diesen Paketen gibt es meist einen Dresscode und der lautet „festlich“.
Aber ich weiche einmal mehr vom Thema ab, schauen wir lieber, was noch alles gemacht werden muss.
Die Zäune werden aufgestellt und die Eingänge aufgebaut. Die ganzen Zäune werden noch mit grossen Leinwänden der Sponsoren bespannt, die auch gleichzeitig vor neugierigen Blicken schützen.
Die Lounges werden mit Tresen, gemütlichen Sitzecken, Stühlen und Tischen ausgestattet und anschliessend festlich dekoriert. Zuweilen gab es einen mächtigen Kronleuchter, der den festlichen Charakter der Reithalle unterstrich. Dieser wurde jedes Jahr von ein und demselben Helfer montiert und aufgehängt.
Die Dining Hall, die ihren Platz in der Turnhalle findet, ist schon eingerichtet, da hier ja die Verpflegung stattfindet. Auf dem Boden wurde Teppich verlegt, Bänke und Tische wurden aufgestellt sowie auch die Tresen für die Essensausgabe. Mülltonnen säumen eine Wand für den Unrat, der beim Essen anfällt.
Jetzt folgt noch der Feinschliff. Hinweisschilder, Wegweiser und Beleuchtungen werden montiert, die Sitzplätze werden nummeriert und schon können die ersten Proben in der Arena stattfinden.

Wie entsteht die Tattoo Street?
Beinah eine Woche nach dem Beginn des Arenaaufbaus und fünf Tage vor der Premiere bauen Helfer die Tattoo Street auf. Dazu wird die Kasernenstrasse gesperrt, da hier jetzt die Zelte für die verschiedenen Essstände auf der rechten Seite der Strasse aufgebaut werden. Hierbei werden die Helfer von Mitarbeitern des Zeltlieferanten unterstützt. Auch vor der Kaserne werden einige Zelte aufgebaut.
Unentwegt wird Material angeliefert, das von den Helfern in den Zelten verteilt wird. Da sind Kühlschränke für die Esswaren und Getränke, da sind Grills und Salamander, Waschbecken und Zapfanlagen. In jedem Zelt wird genau das aufgebaut, was der spätere Mieter des Zeltes bestellt hat.
Die ganze Zeit wird Material getragen, geschoben, mit dem Gabelstapler umhergefahren, aufgebaut und montiert.
Fachfirmen verlegen Strom und Wasser für die Zelte.
Jetzt werden auch die Container und das Basel Tattoo-Büro eingerichtet. Computer, Drucker und Kopierer werden in-stalliert, Schreibtische, Stühle und Telefone aufgestellt, Lager aufgefüllt und auch die Shops werden ausgestattet. Die Container erhalten ihre Beschriftungen, Wegweiser und Hinweistafeln werden montiert.
Die ersten Cliquen und Vereine kommen, um ihre Zelte in der Tattoo Street zu dekorieren und einzurichten. Schliesslich findet hier in den nächsten Tagen ein reges Treiben statt. Und da soll sich der Besucher hier wohlfühlen und das kulinarische Angebot geniessen.
Da die Kasernenstrasse zu den Zeiten, an denen keine Festivitäten anlässlich des Basel Tattoos stattfinden, für den Verkehr der Anlieferer frei sein muss, werden die Bänke, Tische und Zelte, die die Besucher zum Verweilen einladen, jeden Abend wieder abgebaut, um dann erneut kurz vor Öffnung der Tattoo Street wieder aufgebaut zu werden.
Beim Aufbauen der Tattoo Street ist es schon vorgekommen, dass ein Zelt nicht da aufgebaut worden ist, wo es aufgebaut werden sollte, obwohl es auch dafür einen Plan gibt: entweder stimmte die Art des Zeltes nicht, die Farbe oder der Sponsor. Das ist dann der Moment, wo man laufende Zelte beobachten kann, weil zwei Zelte ihre Plätze tauschen müssen. Es ist schon ein lustiger Anblick, wenn vier Helfer, an jeder Ecke des Zeltes einer, versuchen, möglichst synchron zu laufen, und so das nicht gerade leichte Zelt an seinen neuen Bestimmungsort bringen.

Was verdient ein Basel Tattoo-Helfer?
Das ist genau die Frage, die mir häufig gestellt wird, nachdem ich meinem Gegenüber klargemacht habe, dass es sich beim Basel Tattoo nicht um die Körperkunst handelt. „Und was bekommst Du dafür, dass es sich für Dich lohnt, Deinen Urlaub dafür zu opfern?“
Eigentlich ist diese Frage...
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